Hand aufs Herz: Wer weiß auf Anhieb, was eine „Gretchenfrage“ ist, was mit dem „kategorischen Imperativ“ gemeint ist? Das könnte ich jetzt erklären. Kein Kunststück, nur eine Webabfrage.
Nicht im Web findet ihr den Begriff "journalistischer Konjunktiv" ist. Der wird nämlich langsam, aber sicher zum Standard der Medien-Sprache. Langsam genug, dass sich kein Widerstand regt.
Heute habe ich ihn noch in den Nachrichten gehört: „Ein erneuter Krieg zwischen den USA und dem Iran könnte unausweichlich sein.“ „…könnte…“ Was soll mir als Normalbürger denn solch eine in den heute-Nachrichten an ein Millionenpublikum gerichtete Nachricht sagen?
Klar „könnte“ er unausweichlich sein. Morgen könnte auch die Sonne verglühen. Oder – wahrscheinlicher, aber ebenso absurd – es „könnte“ auch ein Krieg zwischen Deutschland und der Schweiz ausbrechen. Es „könnte“ aber auch anders kommen. Eine Aussage ohne jedwede Aussagekraft!
Wie also kommt es zu solch einer Nonsens-Formulierung von einem oder vielen Journalisten und Journalistinnen, die mit der deutschen Sprache eigentlich recht gut zu Fuß sein sollten. Können oder wissen sie es nicht besser? Das wollen wir doch mal nicht hoffen.
Also bezwecken sie etwas damit. Zunächst einmal legen sie sich damit nicht fest. Stellung beziehen ist in der Demokratie Deutschlands im 21. Jahrhundert eine vergessene Tugend. Aber: Man schürt Ängste damit. Und wer Angst hat, wird auch morgen die Nachrichten lesen oder schauen. Das sichert Werbeeinkünfte. Das Geschäft mit der Angst floriert. Und die Journalist/-innen machen sich zu den Handlangern dieser Geschäftemacher.

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