Ich gebe es zu: Mitunter übertreibe ich ein wenig, um die Originalität oder die Absurdität einer Begebenheit deutlich zu machen. In diesem Fall aber bedarf es keiner Übertreibung.
Ich war heute im Media-Markt. Mein Interesse galt einem Beamer, und da ich dergleichen nicht alle drei Wochen kaufe, wollte ich mich beraten lassen. Und dabei wollte ich gerne mit einem Menschen aus Fleisch und Blut sprechen, der spontan und freundlich auf meine Fragen reagiert und nicht mit einer künstlichen Stimme, die von einer künstlichen Intelligenz gesteuert wird. Ja – auch das gebe ich zu – ich wollte mich ein wenig über das Objekt meiner Wünsche unterhalten. Solch ein Einkauf ist ja nicht zuletzt auch ein kommunikatives Ereignis.
Ich betrat also die Elektronik-Kathedrale und fand sogar, nachdem ich die Etage dreimal durchquert hatte, einen Herrn mit einem Namensschild an der Brust. Auf meine Frage antwortete er beredt: „Oben!“
Also eine Etage rauf! Der Ausstellungsraum – von einer Verkaufsfläche konnte, wie sich herausstellte, nicht die Rede sein – hatte die Größe einer Kaufhausetage. In engen Gassen konnte man sich durch Schluchten aus Fernsehern, Laptops, Staubsaugern und Espressomaschinen hindurch schlängeln. Menschen? Wenige. Verkäufer? Keine! Einmal schöpfte ich tatsächlich Hoffnung, als ich eine angenehme Frauenstimme hörte. Doch das war nur ein nicht stummgestellter Fernseher, der das Mittagsmagazin übertrug.
Und dann doch noch die Erlösung! Ziemlich entkräftet stieß ich auf einen Mitarbeiter und getraute mich sogar, ihn anzusprechen. Er zeigte auf ein am Ende des Ganges aufgestelltes Display. „Sie müssen sich dort eintragen. Dann kommt jemand.“
„Aha“, so meine Reaktion, „und wie lange muss ich dann ungefähr warten?“
„Ungefähr 30 Minuten.“
Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole. Das alles ist nicht übertrieben!
Auf dem Weg nach Hause ging mir durch den Kopf, dass die Elektronik-Kette im Laden gar nicht mehr verkaufen will. Der Online-Handel rechnet sich nur bei großen Stückzahlen. Und da ist ein Verkauf im Geschäft eher hinderlich. Auch wollen Media-Markt und Konsorten vermutlich nicht, dass man – sorgfältig beraten – am Ende noch das Richtige, also das, was man wirklich braucht, kauft. Denn ein zufriedener Kunde kauft nach einem Jahr nicht das nächste Modell.
Ich bin – so erinnere ich mich – damals beim Kauf meines Fotoapparates von einem kompetenten Verkäufer gut beraten worden. Die Kamera ist seither mein zuverlässiger Begleiter. Das war im Jahr 2013. Und das kann nicht im Sinne von Media-Markt und Saturn sein!
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