Zu den beglückendsten und gleichzeitig einträglichsten Freizeitbeschäftigungen am Sonntag zählt ohne Frage, alten Kram, den keiner mehr brauchen kann, auf einem Flohmarkt feil zu bieten. So beschlossen meine klügere Hälfte und ich, den heutigen Sonntag sinnstiftend am Breitenbachplatz auf zwei ausgeleierten Klappstühlen bei warmem Mineralwasser und kalter Bratwurst zu verbringen. Hatten wir doch unlängst unseren Kleiderschrank inspiziert und kübelweise verblichene Textilien entdeckt, die dermaßen ihre Fasson verloren und aus der Mode waren, dass sie gewiss niemand mehr tragen möchte, außer den sonntäglichen Besuchern eines Klamottenflohmarkts. Das versprach satte Einnahmen!
Hier nämlich treffen zwei Teile einer Klientel aufeinander, die an anderen Sonntagen auch ausgetauscht werden könnten. Auf der einen Seite Menschen wie wir, die es nötig haben, an einem Sonntag sinnstiftend … wie gesagt, in der Hoffnung, die Haushaltskasse zu sanieren. Dort Schnäppchenjäger, die offenbar so verzweifelt waren, dass sie es nötig hatten, jedes ausgeleierte Hemd, das für 2 Euro angeboten wird, durch ausdauerndes Feilschen für den Preis von Euro 1,30 zu erstehen.
Und so saßen wir nun hinter den zu Wühltischen umfunktionierten Tapezierplatten und beobachteten einen nicht enden wollenden Strom von Menschen, der mit betont gelangweiltem Blick an unseren Kleiderhaufen vorbei ging, sie bestenfalls geringschätzender Blicke würdigten und es sichtlich genossen, als Kunde König der Altkleidersammlungen zu sein.
Wir hatten indes alle Muße dieser Welt, uns die Hemden, die wir schließlich aussortiert hatten, noch einmal in Ruhe zu betrachten. Mit dem Ergebnis, dass wir nach einiger Zeit wieder so sehr efallen an etwa der Hälfte der Hemden fanden, dass wir sie wieder in unseren Aldi-Tüten zu verstauten, um sie so vor dem Verscherbeln zu retten. Was nun auf dem Tapeziertisch übrigblieb, war dermaßen unansehnlich, dass es überhaupt niemanden mehr gab, der seine Schritte aus dem kreisenden Besucherstrom heraus und auf unseren Stand zu lenkte. So wurde konsequenterweise in kurzer Zeit aus dem Besucherstrom ein Rinnsal. Und das veranlasste etwa eine Stunde vor Ende des Markttages aber auch jeden der Floh-Händler, die verbliebenen Kleiderhaufen zurück in die besagten Plastiktüten zu stopfen.
Wieder zu Hause kam der große Moment des Kassensturzes. Wer beschreibt unser Frohlocken, als wir doch tatsächlich 67,30 € verteilt auf dem Küchentisch zählten?! Na, das hat sich dann ja doch gelohnt, bilanzierten wir unisono.
Ebenso erhellend wie unerquicklich drängte sich an dieser Stelle jedoch die Aufstellung einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung auf. Schon allein, um den Überschuss sachlich einordnen zu können. Also: 67,30 € in klingender Münze standen zunächst einmal der Standgebühr von 45 Euro gegenüber. Dann hatten wir zuvor in einen sauberen Tapeziertisch investiert, da wir doch nicht wollten, dass die guten Kleidungsstücke beim Verkauf am Kleister von der letzten Wohnzimmerrenovierung kleben bleiben - 17,90 Euro. Dann erinnere ich mich, gegen Mittag im Kampf gegen die Sonntagsschläfrigkeit beim Bäcker gegenüber zwei Kaffee geordert und uns spendiert zu haben: 4,60 €. Wer mag, kann mitrechnen, um so zu wissen, dass wir uns nun bereits unterhalb des Break-Even-Points befanden, wie der Betriebswirt es nennt. Oder wie war das noch?
Spätestens aber, als meine klügere Hälfte von einer kurzen Exkursion zurückkehrte und mich fragte, ob ich mal nen Euro für das Klo hätte, brach das sonntägliche Unternehmenskonzept endgültig in sich zusammen.
So wurde meine kluge Frau einmal mehr spätestens dann zur Spaßbremse, als sie mir, der ich noch angesichts des Münzhaufens auf dem Küchentisch triumphierte, genau das vorrechnete. Etwas kleinlaut fragte ich also, ob wir wohl noch Geld für zwei Flaschen Bier für den Tatort hätten, der uns vom Sonntag übrigblieb.
„Klar!“, meinte sie. „Da liegt doch genug auf dem Tisch!“
„Siehstse! Hat sich also doch gelohnt!“
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